Von A wie Abtshof bis Z wie Zoo – Sommertour 2012

Eine spannende und informative Sommertour führten Eva von Angern und Wulf Gallert vom 23. bis zum 26. Juli 2012 an unterschiedliche Stationen in Magdeburg. Dabei wurden sie zeitweise begleitet von den Abgeordneten Henriette Quade, Dagmar Zoschke und Guido Henke sowie den Magdeburger Stadträten Torsten Hans und Karin Meinecke. So unterschiedlich die Stationen auch waren, so vielfältig waren die Themen und dennoch schlossen sich die Kreise immer wieder.


Der Montagmorgen begann mit dem Besuch der Gedenkstätte Moritzplatz. Empfangen und durch die Gedenkstätte geführt wurden die TeilnehmerInnen der Sommertour durch den Direktor der Gedenkstättenstiftung Sachsen-Anhalt Dr. Kai Langer, dem ehemaligen Leiter der Gedenkstätte Moritzplatz Dr. Sascha Möbius und  Bettina Wernowsky vom Bürgerkomitee. Während und im Anschluss am Rundgang bot sich Zeit, um sich über die Themen wie Aufarbeitung von DDR-Unrecht und dem Umgang mit der DDR-Vergangenheit im hier und heute auszutauschen. Leider konnten auf Grund der Zeit viele Aspekte nur angeschnitten werden, dass aber die Debatte fortgeführt werden muss, darin waren sich alle TeilnehmerInnen einig und so wird im Oktober die Ausstellung „Jugendopposition in der DDR“, welche zur Zeit in der Gedenkstätte Moritzplatz zu sehen ist, auch im Wahlkreisbüro von Wulf Gallert und Eva von Angern eröffnet.


Die nächsten Programmpunkte waren auf der Gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Dagmar Zoschke, zugeschnitten. Bei der Kontakt- und Beratungsstelle für Selbsthilfegruppen (KOBES) informierten sich die Abgeordneten über die Arbeit der KOBES und der einzelnen Selbsthilfegruppen sowie über deren Finanzierung. Die Anfang der 90er Jahre als Pilotprojekt entstandene KOBES ist aus dem heutigen Unterstützungssystem für Selbsthilfegruppen nicht mehr wegzudenken. Leider wird das Überleben der Selbsthilfegruppen durch den Wegfall des Landeszuschusses nicht erleichtert, sind diese doch eine „Ureinrichtung von Demokratie, weil sie etwas bewegen wollen“, so Dagmar Zoschke.
Von der Perspektive Suchterkrankter zur Perspektive der Therapeuten ging es weiter in die Suchttagesklink von Dr. Kielstein. Dr. Kramer informierte hier über die Arbeit und das therapeutische Konzept der Tagesklink, die in ihrer Form einmalig ist. Eine Aufnahme Suchtkranker erfolgt am Tage der Anmeldung, spätestens am dritten Tag danach. Nahtlos aneinander reihen sich die ambulante Entgiftung, die tagesklinische Suchtberatung und die Weiterbehandlung in Form von ambulanten Gruppentherapien. Im Mittelpunkt des Gespräches standen der Umgang mit Suchtkranken und die Finanzierung der Suchtkrankenhilfe, aber auch die Ursachen von Sucht. Nach Ansicht von Dr. Kramer sind nicht Stress und Arbeitslosigkeit die primären Ursachen von Sucht, sondern der Umgang und das Trinkverhalten im eigenen Umfeld, u.a. im Betrieb. So würde auch eine Legalisierung weicher Drogen zu einem Anstieg des Konsums führen. Nach Ansicht von Wulf Gallert muss die Gesellschaft „Prävention und individuelle Abwehr realisieren.“ Daher stellt sich auch die Frage, „wie gestalten wir die Gesellschaft, um Sucht zu reduzieren.“


Am späten Nachmittag ging es in eine Einrichtung der Behindertenhilfe, dem Regenbogenhaus auf dem Werder. Das Regenbogenhaus ist eine Einrichtung des Paritätischen Sozialwerkes unter der Leitung von Gerhard Ackermann, welcher am Gespräch mit den Abgeordneten teilnahm. Das Regenbogenhaus bietet 54 Plätze in sieben Wohngruppen und hält künstlerich-kreative, bewegungs- und ergotherapeutische Angebote vor. Ziel der Einrichtung ist es die Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung der im Wohnheim lebenden behinderten Menschen zu fördern. Unter dieser Prämisse entstanden auch die ersten Ideen für das Modellprojekt „Ich will mich!“, welches im Mai 2009 startete und bis zum Frühjahr 2012 lief. Ziel des Projektes war es, die HeimbewohnerInnen weg von Psychopharmaka, welche zu Alltag in Einrichtungen für Menschen mit geistigen Behinderungen gehören, zu führen. Psychopharmaka werden verordnet und verabreicht, um Verhaltensauffälligkeiten zu reduzieren, dabei sind die HeimbewohnerInnen apathisch, desinteressiert, können sich oft nicht richtig artikulieren. Mit dem Projekt konnte für einige Menschen mit geistiger Behinderung nun ein besseres, ein selbstbestimmteres Leben ermöglicht werden.


Am Tag Zwei der Tour ging es in eine weitere Einrichtung der Behindertenhilfe. In den Werkstätten der Lebenshilfe wurden die Abgeordneten u.a. von der Geschäftsführerin Frau Woost der Lebenshilfe gGmbH und dem Vorsitzenden der Lebenshilfe Magdeburg e.V. Herrn Pantke erwartet. Im Gespräch wurde auf die steigende Zahl von Menschen mit Behinderungen, besonders mit seelischen Behinderungen, hingewiesen. Diese steigende Zahl und die vom Land eingestellte Investitionsförderung sind Ursachen, dass die Werkstätten überbelegt sind. Auch werden die steigenden Aufwendungen nicht vom Land erstattet. Hier, wie auch schon von Seiten des Regenbogenhauses, wurden die Probleme der Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen deutlich. So wurden u.a. die Mittel der Fördergruppen von Seiten der Sozialagentur des Landes gekürzt und Projekte werden nicht ausreichend finanziert.


Weiter ging es bei der Wohnungsbaugenossenschaft Magdeburg-Stadtfeld und „facts –Die Infoline GmbH“ mit Themen zur Wirtschaft und Fragen zu Arbeitsbedingungen, welche besonders bei facts, einer Firma der IG BAU, von Interesse waren.


In den Zoologischen Garten der Landeshauptstadt ging es am Mittwoch. Hier wurde mit dem Zoodirektor Kai Perret über Arten-, Tier- und Naturschutz gesprochen. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob es politisch und gesellschaftlich gewollt ist, dass Zoos weiterhin Erhaltungszucht betreiben. Für Wulf Gallert ist klar, dass es auf Landesebene eine Biodiversitätsstrategie braucht, in der auch der Artenschutz eine Rolle spielt.


Das Mittagsprogramm fand anschließend im Puppentheater statt. Im Beisein der Magdeburger Kulturausschussvorsitzenden Karin Meinecke (DIE LINKE) ging es im Gespräch mit dem Intendanten Michael Kempchen u.a. um die Theaterförderung im Land. Die Theaterverträge des Landes sind aus Sicht des Intendanten positiv, nur durch diese konnten sich in Magdeburg und Halle innovative Ensembles entwickeln. „Das Puppenspiel ist als Profilierungspunkt für Sachsen-Anhalt gut geeignet“ so Kempchen.


Nach Kunst ging es mit Wissenschaft weiter. Im Leibniz-Institut für Neurobiologie wurde den TeilnehmerInnen nicht nur das Institut vorgestellt, es gab auch einen intensiven Wissensaustausch. Interessanter Aspekt: Im Institut wird an einer Methode zur Bekämpfung von Alkoholismus durch Hirnstimulation gearbeitet. So schlossen sich die Kreise zum ersten und letzten Tag der Tour, welcher im Zirkusmuseum begann. Hier gab es anregende Gespräche (und später im Abtshof auch anregende Getränke) mit Museumsbegründer und Abtshofgeschäftsführer Gerhard Mette. Während die Gespräche im Zirkusmuseum sich auf Kunst und Kultur, verbunden mit so mancher heiteren Geschichte, konzentrierten, standen im Abtshof die wirtschaftlichen Themen im Mittelpunkt.


Mit Kultur nahm die Sommertour ihren Abschluss. Beim Gespräch mit der Redaktion des Kulturschwärmers wurde auf die aktuellen Probleme der Kulturförderung Freier Einrichtungen sowie fehlender Transparenz bei der Fördermittelvergabe aufmerksam gemacht.
Vier spannende und abwechslungsreiche Tage lagen hinter den TeilnehmerInnen der Sommertour. Es gab viele Informationen, die zwar nicht alle in parlamentarische Initiativen enden können, aber die Abgeordneten bleiben bei den unterschiedlichsten Themen „am Ball.“ Viel Neues wurde erfahren und damit auch das eigene Wissen erweitert. Als Fazit steht fest: Es war nicht die letzte Sommertour.

dj