Zum Hauptinhalt springen

Die Welt jenseits der Haseloff´schen Erkenntnis

Wulf Gallert und der DGB-Landesvorsitzende Udo Gebhardt stellen eine Studie zu prekären Beschäftigungsverhältnissen in Sachsen-Anhalt vor

"Die Achillesferse sind die personennahen Dienstleistungen", meinte Wulf Gallert. Mit dem DGB-Landesvorsitzenden Udo Gebhardt und dem Wissenschaftler Gerald Wagner vom ISW-Institut stellte er in Dessau eine Studie zur Situation und Entwicklung prekärer Beschäftigung in Sachsen-Anhalt vor und die sollte sich auch mal Reiner Haseloff zu Gemüte führen. Was unter anderem die Auswertung von Daten der Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit zu Tage brachte, ist alarmierend für den Arbeitsmarkt des Landes. Um zunächst eine ganz allgemeine Aussage zu treffen: Prekäre Beschäftigungsverhältnisse sind in Sachsen-Anhalt überdurchschnittlich expandiert und das schneller als irgendwo anders.

Entsprechend dick ist auch die Studie, die von Wulf Gallert und Udo Gebhardt in Auftrag gegeben worden war. Ausgewertet wurden Daten des Untersuchungszeitraumes 2005 bis 2009 und mit konkreten Zahlen ist das Ganze zur Genüge unterlegt. So lag der Anteil der Zeitarbeitsverhältnisse bei Neueinstellungen beispielsweise bei 60 Prozent. Die Quote der Teilzeitbeschäftigungen lag bei 20 Prozent. Negative Wanderungsbilanzen offenbaren zudem, dass täglich 22 Menschen das Land verlassen. Und die Anzahl altersbedingter Abgänge von Fachkräften hat dramatisch zugenommen.

"Der Trend zu prekären Arbeitsverhältnissen ist bundesweit vorgegeben und hat sich in Sachsen-Anhalt unter den Bedingungen schrumpfender Arbeitsvolumina realisiert", sagte Wulf Gallert. Die Differenz einer Arbeitsproduktivität von 83 Prozent und einem Stundenlohnniveau von nur 75 Prozent des Bundesdurchschnitts, ergebe sich vor allem aus dem Bereich prekärer bzw. atypischer Beschäftigungsverhältnisse und nicht aus sozialversicherungspflichtigen Vollzeitjobs, fügte er hinzu. Ein noch vergleichweise geringer Anstieg sei bei den Minijobs zu verzeichnen. Ganz im Gegenteil zu Leih-, Zeit- und Teilzeitarbeit.

Die Studie zeigt einen dominanten Frauenanteil in atypischen Beschäftigungsverhältnissen auf bzw. dessen schnellere Zunahme im Vergleich zum Anteil der Männer. "Andersherum ist es nur noch bei der Leiharbeit", meinte Wulf Gallert. Gerald Wagner verwies zudem auf vornehmlich jüngere und ältere Arbeitnehmer, die von atypischer Beschäftigung betroffen sind. Zunehmend träfe es besser qualifizierte Facharbeiter, in bestimmten Bereichen auch hochqualifizierte Akademiker, fügte er hinzu.

Die Meinung des DGB habe sich mit der Studie "ganz deutlich" bestätigt, meinte Udo Gebhardt. "Die Erosion des Normalarbeitsverhältnisses hat zugenommen". Für die LINKE konnte Wulf Gallert nichts anderes sagen und nicht für umsonst steht das Thema Arbeitsmarkt ganz oben auf der Agenda der LINKEN zur Landtagswahl. Es geht um Mindestlöhne, um Vergabegesetze bei öffentlichen Aufträgen und eine Unternehmensförderpraxis, die eine nachhaltige Stärkung des Binnenmarktes zum Ziel hat.


km


Die Studie über prekäre Beschäftigung in Sachsen Anhalt finden sie hier

Zurück zum Kopf der Seite