Lieder gegen das Vergessen
Wulf Gallert nahm an musikalischer Gedenkveranstaltungfür die Opfer der Reichspogromnacht in der Dessauer Marienkirche teil
"Lieder gegen das Vergessen" erklangen am Dienstag schon zum 18. Mal in der Dessauer Marienkirche. Oft genug kann man nicht an den nationalsozialistischen Terror erinnern, der in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 jüdische Menschen in Deutschland in Angst und Schrecken versetzte, tötete und in Konzentrationslagern verschwinden ließ. Es war nicht der Anfang von Diskriminierung und Verfolgung von Juden im Dritten Reich, sagte Wulf Gallert. "Es war der Offenbarungseid eines menschenverachtenden Systems".
Wulf Gallert war Gastredner der musikalischen Gedenkveranstaltung, die die Interessensgemeinschaft "Lieder gegen das Vergessen" gemeinsam mit dem Dessauer Stadtverband der LINKEN auf die Beine stellte. Es war eine eindringliche Rede, die er an gut hundert Besucher in der Marienkirche richtete - eine Rede, die nicht nur die Wichtigkeit des sich Erinnerns in den Fokus rückte. "Wir müssen Sorge tragen, dass sich so etwas nie wiederholen kann", sagte Gallert. "Auch vor dem Dritten Reich gab es eine aufgeklärte Weimarer Republik, die dennoch zum Wegbereiter des Nationalsozialismus wurde", fügte er hinzu.
Mit dem Intrumentalensemble "Weronika Ambrosio" und dem Madrigalchor Dessau wurde musikalisch aller Opfer des Holocaust gedacht, speziell doch jener, die der Gewalt der Reichspogromnacht in der Stadt zum Opfer gefallen waren. In Dessau brannten am 9. November 1938 die Synagoge und das jüdische Gemeindehaus. Die Zerstörungswut der Nationalsozialisten richtete sich gegen jüdische Einrichtungen wie gegen Privatbesitz. Fast alle jüdischen Männer waren an diesem Tag verhaftet und ein 16-jähriger Junge von einem SA-Mann erschossen worden. "Es war ein Ereignis voller Perversion - das das Töten von Menschen erlaubte und Plünderungen unter Strafe stellte", sagte Wulf Gallert.
Entsprechend nachdenklich und still, bisweilen dramatisch waren die Klänge, die bei "Lieder gegen das Vergessen" in der Dessauer Marienkirche erklangen. Bedrückend waren die Zeilen, die Antje Dietz aus dem Abschiedsbrief einer jüdischen Frau verlas, die ihr Todeschicksal bereits vor Augen hatte.
Gemeinsam gedenken, mahnen und sich erinnern, wolle man auch in Zukunft, meinte Ralf Schönemann, Mitglied der Interessensgemeinschaft "Lieder gegen das Vergessen" und Stadtratsfraktionschef der LINKEN in Dessau. Bereits vor der Veranstaltung fand am Standort der alten Synagoge eine Gedenkfeier, unter anderem mit Dessaus Oberbürgermeister Klemens Koschig statt. Stellvertretend für die LINKE hatte Wulf Gallert dort einen Kranz für die Opfer der Reichspogromnacht niedergelegt.
km






