Zum Hauptinhalt springen

"Nicht immer war man alternativlos"

Wulf Gallert zum 20-jährigen Bestehen des Landtages von Sachsen-Anhalt

Zugegeben, Applaus und Blitzlichtgewitter galten zum Festakt anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Landes und des Landtags von Sachsen-Anhalt jemand anderem namens Wulff: Dem Bundespräsidenten Christian Wulff, der im Rahmen seines Antrittsbesuchs in Sachsen- Anhalt als Hauptredner zur Verstaltung im Kloster "Unser Lieben Frauen" in Magdeburg gekommen war. Wulf Gallert blieb in passiver Rolle Zeit zum Nachdenken. So wie sich wohl jeder der über hundert Gäste im Saal seine eigenen Gedanken über die Politik und die gesellschaftliche Entwicklung des Landes in den vergangenen 20 Jahren machte.

Die Gesamtbilanz der parlamentarischen Arbeit im Landtag von Sachsen-Anhalt ist positiv zu sehen, meint Wulf Gallert. "Alles richtig gemacht wurde nicht und nicht immer war man alternativlos", fügt er hinzu. Der von Bundespräsident Wulff angesprochene Vertrauensverlust in die Politik und seine Repräsentanten gehe auch an ihm nicht vorbei. "Beispiele wie Stuttgart 21 zeigen, dass die Menschen Ergebnisse parlamentarischer Arbeit nicht mehr bedingungslos akzeptieren. Die Leute müssen wieder spüren, dass sie mit ihren politischen Entscheidungen an der Wahlurne auch ihre Interessen in der politischen Praxis vertreten sehen", so Gallert.

Es gab auch etwas, woran sich Wulf Gallert während des Festakts richtig stören konnte. An einem "Defizitaspekt" - wie er es nennt - unter dem er die ostdeutsche Mentalität seitens des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer, beschrieben sieht. Man müsse der Meinung ausdrücklich widersprechen, dass die Menschen in den neuen Bundesländern Angst vor der Freiheit hätten, weil sie nie mit ihr in Berührung gekommen seien, sagt Gallert. "Die Leute lehnen bedingungsloses Karriere- und Konsumstreben ab. Das ist letztlich in Frage zu stellen", fügt er hinzu.

Alles in allem sei der Festakt, zu dem auch der Landtagspräsident Dieter Steinecke und der Präsident des Landesverfassungsgerichts, Winfried Schubert, als Redner aufgetreten waren, eine dem Anlass würdige Veranstaltung gewesen. "Viele Menschen haben sich wiederfinden können", sagt Gallert und Konsens machte sich wohl zumindest im Hinblick auf die musikalischen Qualitäten der Anhaltinischen Philharmonie Dessau breit.

Auf den Tag genau vor 20 Jahren, am 28. Oktober 1990, war der erste Nachwende-Landtag Sachsen-Anhalts in Dessau zu seiner konstituierenden Sitzung zusammengetreten. Als parlamentarischer Geschäftsführer der damaligen PDS-Fraktion trat Wulf Gallert mit dem Start der zweiten Legislaturperiode 1994 auf die politische Bühne des Landesparlaments.


km


Zurück zum Kopf der Seite