Mit klaren Positionen in die erste Runde
Mit Wulf Gallert fand in Halle die erste Podiumdiskussion der Spitzenkandidaten zur Landtagswahl 2011 statt.
Ein erstes Fazit der Podiumsdiskussion, die der Radiosender MDR Info gestern mit den Spitzenkandidaten zur Landtagswahl 2011 in der halleschen Händel-Halle durchführte, ließe sich in etwa so ziehen: Der große Schlagabtausch blieb aus, die Themen Wirtschaft und Bildung standen im Mittelpunkt des Abends und der Moderator Sven Kochale vergaß zwischenzeitlich, dass auch noch andere Gäste außer zwei Großkoalitonäre im Podium saßen. Den Konzepten und Zielen, mit denen sich die LINKE am 20. März kommenden Jahres dem Votum der Wähler stellt, vermochte Wulf Gallert dennoch Ausdruck zu verleihen. Jens Bullerjahn (SPD), Reiner Haseloff (CDU) und Veit Wolpert (FDP) taten freilich gleiches für ihre Parteien.
Es war das erste Rededuell der Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenden Parteien und entsprechend groß war das Interesse. Mit gut 200 Besuchern war der kleine Saal der Händel-Halle fast bis zum letzten Platz gefüllt - per Livestream wurde die Runde zudem durch den Äther geschickt. Wie die Debatte zeigen sollte, gab es zumindest einen Konsens zwischen den angetretenen Spitzenkandidaten: Arbeits-, Wirtschafts- und Bildungspolitik sind entscheidende Themen im Hinblick auf die künftige politische und gesellschaftliche Entwicklung Sachsen-Anhalts.
"Wir können nicht schon bei Zehnjährigen entscheiden, ob sie künftig die Realschule oder das Gymnasium besuchen", brachte Wulf Gallert die bildungspolitischen Vorstellungen der LINKEN zum Ausdruck. Über Zugang zu Bildung dürfe nicht die soziale Herkunft entscheiden, vielmehr müsse Schülern ein längeres gemeinsames Lernen ermöglicht werden, fügte er hinzu. Es waren keine neuen Forderungen - auch nicht jene, die Wulf Gallert an eine vernünftige Arbeits- und Wirtschaftspolitik stellte. Ein förderndes statt selektives Schulsystem, ein gesetzlicher Mindestlohn sowie eine transparentere und gerechtere Verteilung von wirtschaftlichen Fördermitteln sind vielmehr Ziele, die die LINKE seit langen entschieden und klar verfolgt.
Jens Bullerjahn, Veit Wolpert und Reiner Haseloff versuchten jeweils mit anderen Konzepten zu punkten, wobei Haseloff meinte, dass das Land unter der großen Koaltion vernünftig regiert worden sei. Das sah Wulf Gallert mit Sicherheit anders - aber gut, dafür war man im Podium ja auch zusammengekommen. Es war eine erste Tuchfühlung der Spitzenkandiaten im Wahlkampf, bei der wohl jeder wusste, was ihn erwartet. Und dass nicht nur eine große Koalition als Regierungsoption nach der Wahl in Aussicht steht, hatte irgendwann auch Sven Kochale begriffen.
"Der Wähler entscheidet und wer die meisten Stimmen hat wird Koalitionsführer", sagte Wulf Gallert auf ein rot-rotes Bündnis angesprochen. "Alles andere würde bedeuten, den Wähler nicht ernst zu nehmen", fügte er hinzu. Für Jens Bullerjahn blieb es hingegen dabei: Kein rot-rotes Bündnis unter einem linken Ministerpräsidenten. Und wenn Reiner Haseloff meint, wer keine Experimente möchte, der solle CDU wählen, dann lebe die Experimentierfreude hoch.
km




