"Leute, bewegt euch"
Wulf Gallert war gemeinsam mit der Radfahrlegende "Täve" Schur Gast der Volksolidarität Magdeburg-Jerichower Land
"Es ist gut, dass sich diese jungen Hirsche für die Belange der Rentner einsetzen", sagte Radfahrlegende "Täve" Schur. Damit meinte er Wulf Gallert und die Linksfraktionsabgeordnete Eva von Angern, die mit ihm gemeinsam Gast der jüngsten Beratung des Regionalverbandes Magdeburg-Jerichower Land der Volkssolidarität waren. Fragen zum Rentensystem standen im Mittelpunkt der Veranstaltung, die für Wulf Gallert mit der Beantwortung von Wahlprüfsteinen der Volkssolidarität einherging. Das Thema Arbeitsmarkt war ebenfalls auf der Tagesordnung und voneinander trennen lässt sich beides sowieso nicht.
"Das Problem fehlender Rentenerhöhungen ist das Problem sinkender Löhne", sagte der Ministerpräsidentschaftskandidat der LINKEN. Die Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse und die Differenz von höchster Arbeitsproduktivität im Osten und den niedrigsten Stundenlöhnen in der gesamten Bundesrepublik führe dazu, dass die Menschen in Sachsen-Anhalt weniger Geld in der Tasche haben und Renten sich in Zukunft sehr niedrig gestalten werden, fügte er hinzu. Auch im Kreis der Volkssolidarität unterstrich Wulf Gallert die Forderung der LINKEN nach einem gesetzlich verankerten Mindestlohn. Negative Folgewirkungen auf Rentenzahlungen könnten so unter anderem verhindert werden - aber auch Folgewirkungen wie die Abwanderung junger Menschen aus Sachsen-Anhalt.
Dass eine Stimme für die LINKE zur Wahl auch eine Stimme für ein gerechtes Rentensystem im Land ist, machte Wulf Gallert an einem aktuellen Vorstoß der Linksfraktion im Bundestag deutlich. Unter der Überschrift "Rentenüberleitung Ost: Lebensleistung anerkennen", stellte die Bundestagsfraktion Anfang des Jahres insgesamt 19 Anträge im Parlament, die sich gegen Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen wandten, die aus der Überleitung der DDR-Altersversorgung in bundesdeutsches Recht herrühren. Zu den Betroffenen zählen unter anderem mithelfende Familienangehörige, Frauen, die in der DDR geschieden wurden oder Beschäftigte in sämtlichen Parteien und im Staatsapparat der DDR. Alle 19 Anträge wurden abgelehnt. Von allen Bundestagsabgeordneten aus Sachsen-Anhalt hatten ausschließlich die Mitglieder der Linksfraktion für die Anträge gestimmt.
"Täve" Schur musste nicht wiederholen was Wulf Gallert zur Rente meinte und schlug lieber den Bogen zum Thema Friedenspolitik. Auch bei dieser Frage habe sich DIE LINKE als einzige politische Kraft konsequent gegen Krieg und militärische Einsätze der Bundeswehr gewandt und jahrelang ist er eben selbst bei der Friedensfahrt in die Pedale getreten, sagte er. Wulf Gallert unterstrich, dass man auch mit der Wahl der LINKEN in Sachsen-Anhalt ein Zeichen gegen Krieg setzen kann. "Bei Landtagswahlen geht es immer auch um Bundespolitik", sagte er.
Am Thema Atomkraft war "Täve" Schur aus aktuellem Anlass auch nicht vorbei gekommen und letztlich schloss er mit einem Satz, der irgendwie eindeutig wie vieldeutig war. "Leute, bewegt euch", sagte der 80-jährige. "Wir bewegen uns nicht weniger weil wir alt werden, sondern wir werden alt, weil wir uns weniger bewegen."
km


