Ohne Lehrer kann keine Schulform funktionieren
Wulf Gallert nahm an einer Podiumsdiskussion zur Schulpolitik des Verbands deutscher Privatschulen teil
Welche Schulen braucht das Land? Der Podiumsdiskussion im Magdeburger Domgymnasium hätte es nicht bedurft, wenn zu dieser Frage nicht die unterschiedlichsten Vorstellungen präsent wären. Der Verband deutscher Privatschulen, im Speziellen die Landesarbeitsgemeinschaft christlich orientierter Schulen in freier Trägerschaft im Land Sachsen-Anhalt, fühlte den Parteien vor der Landtagswahl in Sachen Schulpolitik auf den Zahn. Und dass Wulf Gallert der Frage nach Schulformen die zentrale Frage des Lehrermangels in Sachsen-Anhalt an die Seite stellte, war sozusagen der Aufschlag des Abends.
Neben dem Ministerpräsidentschaftskandidaten der LINKEN hatten die Fraktionsvorsitzenden der Landtagsparteien, Katrin Budde (SPD), Veit Wolpert (FDP) und Jürgen Scharf (CDU) im Podium in der Aula des Domgymnasiums Platz genommen. Die Spitzenkandidatin der Grünen, Claudia Dalbert, gesellte sich dazu und dass demographischer Wandel und Fachkräftemangel letztlich die größten Herausforderungen für das Bildungssystem des Landes sind, griffen nach Wulf Gallert irgendwie alle auf. Ohne Personal funktionieren eben weder staatliche noch private Schulen, Ganztags- oder Gemeinschaftsschulen. "Einen Masterplan gegen Lehrermangel gibt es nicht. Ein Umsteuern kann die Situation aber abmildern", sagte Wulf Gallert.
Im Rahmen der Podiumsdiskussion wurden freilich auch andere Fragen aufgeworfen und dass der VDP als Veranstalter eigene Interessen artikulierte, war Sinn der Sache. Die Finanzierung von Ersatzschulen brannte den Vertretern freier Schulträger besonders auf den Nägeln - etwa Dietrich Lührs, dem Schulleiter des ökumenischen Magdeburger Domgymnasiums oder Jürgen Banse, dem Geschäftsführer des VDP. Die beiden, die neben Moderator Wolfgang Borchardt ebenfalls im Podium Platz nahmen, hatten zunächst einen Überblick über die Schullandschaft der freien Träger im Land gegeben. "6,3 Prozent aller Schüler lernen in Sachsen-Anhalt an privaten Schulen", erklärte Jürgen Banse.
Es kristallisierte sich einige Kritik seitens der freien Schulträger heraus, zum Beispiel was die gesetztlich verankerte dreijährige Wartefrist für den Erhalt von Fördermitteln angeht oder die gefühlte Benachteiligung bei der Übernahme von Transportkosten zur Schülerbeförderung. Dietrich Lührs plädierte eindeutig für einen Bestandsschutz freier Schulträger durch den Staat, wobei man bei der Frage nach Schulformen für alles offen sei, wie er meinte. Ein Ende letzten Jahres erschienener Bericht des Kultusministeriums, der die Mittelkürzung für private Schulen des Landes um 10 Prozent empfiehlt, hatte auch in der Podiumsrunde für Diskussionen gesorgt. Die Politik selbst blicke bei der Ersatzschulfinanzierung nicht mehr durch, sagte Dietrich Lührs.
Katrin Budde sprang dann für die Politik in die Bresche und forderte mehr Vertrauen ein. Und bei der Frage nach der Finanzierung privater Ganztagsschulen war es Wulf Gallert, der den Zirkelschluss zum vordergründigen Problem des Lehrermangels wiederherstellte. "Ganztagsschulen bedeuten schlichtweg mehr Personal", sagte er. Demgegenüber stehe das Personalkonzept der Landesregierung, das eine Reduzierung der pädagogischen Mitarbeiter in den kommenden Jahren vorsieht. Die Finanzierung von Ganztagsschulen mit ausreichend Personal bedeute demnach in der Tendenz eine Neuverschuldung. Letztlich sei beides schwierig, sowohl Personal zu finden, als es auch bezahlen zu können.
"Bei der Lehrerausbildung sind in den vergangenen Jahren Fehler gemacht worden", fügte Wulf Gallert hinzu. So sei die Ausbildung in Magdeburg quasi gestrichen worden ohne sie in Halle entsprechend zu erhöhen. Wie man das eingangs erwähnte Umsteuern zur Abmilderung des Lehrermangels erreichen kann, legt die Linksfraktion in ihrem eigenen Personalkonzept dar. Sie plant in den kommenden Jahren deutlich mehr Lehrer als die Landesregierung einzustellen und schließt im Sinne eines vernünftigen Bildungssystems eine Neuverschuldung eben nicht aus. Wulf Gallert brachte es etwas unkonventionell auf den Punkt, doch es gehe darum, "einfach jeden ran zu kriegen". Von der Schaffung attraktiver Rahmenbedingungen für Lehrer in Sachsen-Anhalt ist dieses Vorhaben letztlich nicht zu trennen.
km
