Schlimmer geht bei Haseloff immer
Wulf Gallert diskutierte im Wahlforum des Mitteldeutschen Rundfunks und der Volksstimme
Seine ohnehin kaum vorhandene Farbe fiel Reiner Haseloff plötzlich gänzlich aus dem Gesicht. Während des Wahlforums des MDR und der Volksstimme im Magdeburger AMO ließ Wulf Gallert den Wirtschaftsminister und CDU-Spitzenkandidaten einfach auflaufen. Wer nicht hören will, muss eben fühlen und dafür macht sich eine Broschüre der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt ganz hervorrragend. Mit "niedrigeren Lohnkosten bei hoher Flexibilität und exzellenter Arbeitsqualität" wird dort für Unternehmensansiedlungen im Solar Valley geworben und Wulf Gallert zitierte das mit Sicherheit nicht genüsslich.
Es war die ewig gleiche Leier mit der Reiner Haseloff das Thema Arbeitsmarkt und Mindestlohn während des Forums abbügelte. "Sachsen-Anhalt ist das Land mit den niedrigsten Löhnen", sagte Wulf Gallert. Stimmt alles überhaupt nicht, meinte Haseloff. Natürlich sei man auch für Mindestlöhne, die Tarifpartner werden sich da schon einigen können. Schall und Rauch - selbst damit haut er den Leuten die Taschen voll. Anders ist es nicht zu erklären, wenn das Wirtschaftsimage des Landes mit niedrigeren Lohnkosten aufgepeppt wird.
Es tun sich Abgründe auf, wo man schon keine mehr vermutet hatte, aber schlimmer geht bei Haseloff offensichtlich immer. Und wenn er da, wo ihm die Argumente ausgehen, auch noch einen Turbo in Sachen Arroganz einlegt, muss er sich über ablehnendes Gejohle aus dem Publikum nicht wundern. Man habe nämlich ganz tolle Maßnahmen auf dem Arbeitsmarkt ergriffen. "Nur können Sie das in der Opposition nicht wissen", schleuderte er Wulf Gallert entgegen.
Neben dem Ministerpräsidentschaftskandidaten der LINKEN und Haseloff stand zu diesem Zeitpunkt Jens Bullerjahn (SPD) im Podium des Wahlforums. Claudia Dalbert (Grüne) und Veit Wolpert (FDP) waren zuvor in einer Zweiergruppe ins Kreuzverhör genommen worden - eine gemeinsame Runde aller fünf Spitzenkandidaten gab es sowohl am Anfang als auch am Ende der Veranstaltung. Um das Bildungssystem in Sachsen-Anhalt ging es in einem weiteren inhaltlichen Schwerpunkt. Dass Wulf Gallert auch mit dem Konzept eines längeren gemeinsamen Lernens das Publikum im AMO auf seiner Seite hatte, war letztlich unüberhörbar.
Die Themen und Diskussionen waren damit nicht erschöpft aber hängen blieb, dass Kuschelwahlkampf zur Übertragung unangenehmer Eigenschaften führt. Wenn Jens Bullerjahn Wulf Gallert am Ende Kompetenzen abspricht und einfach meint, die LINKE habe kein schlüssiges Konzept, dann hat er zumindest versucht, Reiner Haseloffs Arroganz zu toppen. "Wir haben klare Konzepte und stehen mit beiden Beinen auf dem Boden", entgegnete Wulf Gallert. Warum die Ansätze der LINKEN nicht schlüssig sein sollen, konnte Bullerjahn bis jetzt noch auf keiner Veranstaltung erklären und es ist kaum vorstellbar, dass die Mehrheit des Publikums nicht schlüssig denken konnte.
Da gab es noch eine Sache, nämlich den Versuch der NPD, sich in das Wahlforum von MDR und Volksstimme einzuklagen. Die Klage wurde abgelehnt und ein jämmerlicher Haufen Nazis erfolgreich aus dem Saal des AMO delegiert. Das Publikum und vier Spitzenkandidaten zollten Beifall, als eine Zuschauerin meinte, dass sie froh darüber sei. Reiner Haseloff stand mit verschränkten Armen da - warum, bleibt Spekulation.
km
