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Wahlkampftour mit Frühlingserwachen

Wulf Gallert und Gregor Gysi waren gemeinsam in Sachsen-Anhalt unterwegs

Vier Tage, zwölf Orte und am Ende strapazierte Stimmbänder. Darauf reduzieren lässt sich die gemeinsame Wahlkampftour von Wulf Gallert und Gregor Gysi sicher nicht, aber zumindest bekommt man eine Ahnung vom heißen Endspurt der LINKEN kurz vor den Landtagswahlen 2011. Es blieb vieles hängen, von dem, was man auch "personifizierte Motivation unterwegs" nennen kann. Und wenn der Ministerpräsidentschaftskandidat der LINKEN und der Linksfraktionsvorsitzende im Bundestag eine tiefe Schneise geschlagen haben, dann die durch das "Wirtschaftswunderland" des Reiner Haseloff. 

Das gibt es nämlich so nicht und Wulf Gallert und Gregor Gysi ist es unterwegs im Übrigen auch nicht begegnet. Dafür jede Menge Menschen, die nach einer sozialen politischen Alternative zu prekären Arbeitsverhältnissen und sozialer Ungerechtigkeit suchen, die links wählen und sich vom links wählen überzeugen ließen. Kämpferische Wahlveranstaltungen gehörten genauso zum Tourprogramm wie Diskussionsforen und Besuche in sozialen und kulturellen Einrichtungen. Und ganz nebenbei erwachte der Frühling - wenn das mal nichts zu bedeuten hatte.

Der eigentliche Startschuss fiel am Freitag mit einer Spontankundgebung auf dem Köthener Holzmarkt. Tags zuvor hatten Wulf Gallert und Gregor Gysi schon ein ganzes Stück Arbeit in der Altmark geleistet - allerdings getrennt voneinander und quasi im Schichtbetrieb. In Tangermünde war Wulf Gallert am Vormittag zu einem Gespräch mit dem Fremdenverkehrsverband Altmark zusammengekommen und hatte anschließend das Projekthotel "Alanda" der Lebenshilfe und die Agalepsion-Klinik in Seehausen besucht. Gregor Gysi drehte am Abend schon ein erstes Mal auf - bei einer Wahlveranstaltung der LINKEN im Kulturhaus Salzwedel. 

Zur Kundgebung in Köthen lieferte dann auch Wulf Gallert seine erste Kampfesrede ab und er sollte es genauso auf Wahlveranstaltungen linker Kreisverbände in Bernburg, Eisleben, Karsdorf und Dessau-Rosslau tun. Oft genug konnte er nicht wiederholen, worum es zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geht - um soziale Gerechtigkeit und deshalb um eine Stimme für die LINKE. "Eine Stimme für uns ist eine Stimme gegen den Niedriglohn", sagte Wulf Gallert. Gesetzliche Mindestlöhne, Vergabegesetze bei öffentlichen Aufträgen und gleiche Bildungschancen für alle Kinder unterstrich der Ministerpräsidentschaftskandidat der LINKEN einmal mehr als politische Ziele seiner Partei.

Die politische Konkurrenz blieb nicht verschont - schon gar nicht wenn Reiner Haseloff aktuellen Stoff liefert. "Eine Woche vor der Wahl kündigt er Maßnahmen an, für deren Forderung er uns bis vor kurzem Populismus vorwarf", spielte Wulf Gallert auf ein veröffentlichtes 10-Punkte-Sofortprogramm des CDU-Wirtschaftsministers an. Es ist schon eigenartig bis dreist wenn er darin einen Personalkörper bei der Polizei einfordert, der deutlich über den Zahlen des Personalentwicklungskonzeptes der Landesregierung liegt oder er plötzlich seine Freude an Tarifbindung entdeckt. "Diese Maßnahmen werden eine Woche vor der Wahl und eine Woche nach der Wahl für die CDU interessant sein", sagte der Ministerpräsidentschaftskandidat der LINKEN.

Gregor Gysi kam immer im Anschluss auf die Bühne und zumindest einmal beschwerte er sich über die demütigende Handlung, das Mikrofon gut 20 Zentimeter runter schrauben zu müssen. Er setzte den Worten Wulf Gallerts sozusagen die bundespolitische Dimension drauf und unterstrich die Bedeutung der LINKEN als "Störfaktor", der eben nicht im politischen Strom der anderen Parteien mitschwimmt. Es gehe um ein gerechtes Steuersystem und Umverteilung "ohne die nicht im Ansatz der Wille zu sozialer Gerechtigkeit zu erkennen ist", sagte Gregor Gysi. Er forderte ein Ende von Kinderarmut, Krieg und deutschen Waffenexporten und räumte ohne Umschweife seinen ganz persönlichen Vorteil eines Wahlsiegs Wulf Gallerts und der LINKEN in Sachsen-Anhalt ein. "Sie entscheiden auch über mein Wohlbefinden", sagte er. Okay, kann man gelten lassen, das Wohlbefinden des Landes geht aber vor.

Kulturvoll wurde es für Wulf Gallert und Gregor Gysi vor allem in Halberstadt, wo eine Besichtigung des Domschatzes und ein anschließender Besuch des Gleimhauses auf dem Programm standen. Ein abendliches Forum machte Kultur zum Thema der Politik und Politik macht Kultur zu einer Frage der kommunalen Finanzausstattung. Im Podium neben den beiden saßen unter anderem die Direktorin des Gleimhauses, Ute Pott, und der Indentant des Nordharzer Städtebundtheaters, Johannes Rieger. Diskutiert wurde über Wege zu einer dauerhaften und auskömmlichen Finanzierung von Kultur, etwa über ein solidarisches Kulturförderungsgesetz wie es die LINKE nach Vorbild des sächsischen Kulturraumgesetzes fordert.

Wenn die Wahlergebnisse für die LINKE schließlich genauso astronomisch werden, wie der Besuch der Arche Nebra, ist am 20. März erstmal alles in Ordnung. Am Fundort der Himmelscheibe wartete auf Wulf Gallert und Gregor Gysi der Blick in die Sterne aber der wollte irgendwie auch noch nicht verraten, was denn nun wird am kommenden Sonntag. Auf einen Sprung hatten es die beiden noch nach Mansfeld geschafft, wo sie den dortigen Bürgermeisterkandidaten der LINKEN, Hennry Strache, im Wahlkampf unterstützten. Und mit Sicherheit sind Wahlkampftourzeiten äußerst angenehm, wenn man in Freyburg mit Winzern und Weinprinzessinnen ins Gespräch kommt, die mit ihren Produkten weiß Gott nicht geizig umgingen.

Der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Eisleben bei Oberbürgermeisterin Jutta Fischer war zunächst Gregor Gysi vorbehalten aber "was nicht ist, kann noch werden", gilt im Fall von Wulf Gallert unbedingt. Mit Optimismus, frei gesetzen Wahlkampfreserven und vielfach erfahrerener Zustimmung war die Wahlkampftour für ihn und Gregor Gysi zu Ende gegangen  - und mit reichlich Unterstützung für und durch DirektkandidatInnen der LINKEN vor Ort oder durch Bundestagsabgeordnete wie Jan Korte. Wulf Gallert blieb dabei und er hatte es mehrfach während der Tour gesagt: "Die schwarz-rote Landesregierung gehört abgewählt und wir können die Wahl gewinnen".


km



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