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Volksstimme

Die Welt schaut auf Luthers Heimat

Berlin/Wittenberg/Lund l Mit Festgottesdiensten haben evangelische Christen auf der ganzen Welt am Montag das 500. Reformationsjubiläum eingeläutet. In Berlin feierten Vertreter von Staat und Kirche bei einem Staatsakt.

Bundespräsident Joachim Gauck sagte in seiner Festrede, bei keinem Reformationsjubiläum bisher habe es in Deutschland so viele Menschen gegeben, die einer nichtchristlichen Religion angehörten oder gar keiner. Dennoch gehe die Reformation alle an. Ohne diese „Initialzündung“ gäbe es weder die Freiheit des Glaubens und des Gewissens noch die unveräußerlichen Grundrechte.

Damit griff Gauck das vor allem in Ostdeutschland verbreitete Desinteresse an Luther auf. Die Reformation nahm ihren Ausgang in Wittenberg. Auch Eisleben als Geburts- und Sterbeort von Martin Luther liegt in Sachsen-Anhalt. Die Glaubensüberzeugungen des Reformators sind den heutigen Sachsen-Anhaltern indes fremd. 80 Prozent gehören keiner Kirche an, in den Schulen besuchen nur wenige Schüler den Religionsunterricht.

Im Magdeburger Landtag hatte die Linke zuletzt gewarnt, das Jubiläum könne an der Bevölkerung vorbeigehen. Es bestehe die Gefahr, dass „sich hier die Elite aus Kirche und Staat bei netten Häppchen selbst feiert“, sagte der Linken-Abgeordnete Wulf Gallert.

Im Verhältnis zwischen Lutheranern und Katholiken bringt das Jubiläum unterdessen symbolträchtige Schritte der Annäherung. Im schwedischen Lund feierten am Montag Papst Franziskus und der Präsident des Lutherischen Weltbunds (LWB), Bischof Munib Younan, einen ökumenischen Gottesdienst. Es ist das erste Mal, dass beide Konfessionen gemeinsam auf globaler Ebene an die Reformation erinnern.

Der Papst betet in Lund

„Wir dürfen uns nicht mit der Spaltung und der Entfremdung abfinden, die durch die Teilung unter uns hervorgerufen wurden“, sagte Franziskus. „Wir haben die Gelegenheit, einen entscheidenden Moment unserer Geschichte wieder gutzumachen.“ Am Gottesdienst im Dom von Lund nahmen auch die beiden Magdeburger Bischöfe Gerhard Feige (katholisch) und Ilse Junkermann (evangelisch) teil.

Von den Feiern solle ein Signal des Aufbruchs und der Versöhnung ausgehen, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, bei einem Gottesdienst in der Berliner Marienkirche. Allerdings gibt es nach wie vor theologische Unterschiede. Das katholische Verständnis verhindert ein gemeinsames Abendmahl. Das hatte zuletzt eine Pilgerreise hochrangiger Kirchenvertreter ins Heilige Land gezeigt: Abend für Abend feierten Katholiken und Protestanten getrennt. Das bleibe eine „offene Wunde“, räumte Bedford-Strohm ein.

In Wittenberg feierten am Montag mehrere tausend Besucher das Jubiläum mit Gottesdiensten, Konzerten, Führungen und einem großen Markttreiben. Bereits am Sonntag waren 500 Luftballons in die Luft gestiegen. „Die Kirchen sind voll, die Menschen sind da“, sagte ein Vertreter des Stadtmarketings.

Bis zum 500. Jahrestag der Reformation im kommenden Jahr wird es bundes- und europaweit zahlreiche Veranstaltungen geben, die an das historische Ereignis erinnern und Aspekte des Glaubens in der heutigen Zeit beleuchten sollen. Ein Höhepunkt wird der Evangelische Kirchentag sein, der vom 24. bis 28. Mai 2017 in Berlin und Wittenberg stattfinden soll.